Innere Bilder zum Praktizieren
Zur Unterstützung können uns innere Bilder helfen unsere innere Ausrichtung und Fokussierung nicht nur während des Praktizierens aufzubauen und zu halten. Die Idee des jeweiligen Bildes kann uns auch helfen, diese innere Ausrichtung durch den Alltag mitzunehmen und bei zu behalten bzw. zu ihr zurück zukommen. Indem wir uns des Bildes erinnern, erinnern wir uns an unser eigentliches Selbst, an unsere ursprüngliche Natur.
Der Baum
Spüre die Verwurzelung mit der Erde. Spüre Dein Fundament. Richte dann aus dieser Verwurzelung Dich innerlich auf. Spüre die Verwurzelung und den mächtigen Stamm eines majestätischen Baumes. Kein Wind und kein Lebewesen was sich an Dir reibt können Dich umstoßen. So innerlich aufgerichtet öffne Dich nach oben. Spüre die Weite und Leichtigkeit im Brustkorb und den weit oben ruhenden Kopf. Lass sie in die Weite wachsen und sich ausdehnen wie die Krone dieses wunderbaren Baumes.
Ruhe in der Kraft der Verwurzelung, der inneren Aufrichtung und der Weite Deines Selbst.
In den Asanas, im Sitzen wie auch in den einzelnen Körperstellungen, achte auf Dein festes Fundament, baue von dort die Stellung auf. Richte Dich dann innerlich auf indem Du die Wirbelsäule aufrichtest und das Brustbein hebst. Lasse dann ausatmend los und entspann Dich innerhalb der Position, ruhe so in der Weite des Seins.
Die Schale der Achtsamkeit
Stell Dir vor, in Dir ist eine Schale. In dieser Schale ruht Deine Achtsamkeit. Versuche Dich so geschmeidig und ganz bewusst zu bewegen, dass diese Schale in Dir jede Bewegung mitmachen kann, sie wie auf einem ruhigen Fluss mitschwimmt, ohne das etwas von Deiner Achtsamkeit ausgekippt wird. Jede bewusste Bewegung sammelt mehr Achtsamkeit an, lässt sie immer konzentrierter und dadurch feiner werden. Jede unachtsame, hektische und abrupte Bewegung verschüttet sie und Du musst von vorne anfangen. Aber siehe auch, falls es passiert, wie Du innerhalb weniger bewusster Atemzüge wieder Ruhe in den inneren Fluss bekommst und die Schale sich wieder füllt. Bleibe so, die Schale behutsam wie einen kostbaren Schatz in Dir mitführend, bei Dir und Deinen Handlungen. Komme so ganz in den Moment, zu Dir selbst und damit letztlich auch in den Genuss des Seins.
Der Ozean und die Wellen
Spüre Deinen Körper. Wie Du hier oder dort dieses oder jenes spürst. Spüre Deinen Atem wie er kommt und geht. Nimm Deine Gedanken und Bilder im Geiste genauso wie Deine Emotionen wahr. Nimm all diese Wahrnehmungen die gerade auf Dich einstürmen wahr. Erkenne wie sie kommen, einen Moment bestehen und dann wieder vergehen. Sieh sie wie Wellen an der Oberfläche eines Ozeans. Du kannst Dich mit diesen Wellen verbinden, identifizieren, Dich von Ihnen mitreißen lassen, Dich in ihnen verlieren und irgendwo wieder ausspucken lassen. Oder Du erkennst sie als das was sie sind, ein Teil von Dir, aber mehr eben auch nicht. Stattdessen ruhe in Dir, in der Tiefe des Ozeans und lasse diese Wellen der verschiedenen Wahrnehmungen an der Oberfläche über Dich hinüber und durch Dich hindurch laufen, ohne Dich von ihnen beeinflussen zu lassen. Lass Dich, den Ozean, nicht von diesen vorübergehenden Erscheinungen aus der Ruhe bringen. Erkenne auch, solltest Du Dich einmal von den Wellen fortreißen lassen, dass Du Dich jederzeit wieder ausatmend und loslassend in die Tiefe des Ozeans absinken lassen und Dich so wieder mit Dir selbst verbinden kannst. Egal wie kurz oder lang Du mit den Wellen mitläufst. Der Ozean ist immer da. Du selbst bist immer da. Ruhe so in der Tiefe und Weite Deines Selbst, erfahre Dich selbst und Deine Umgebung von dort und handle von dort heraus.
Der Ozean und die Wellen II
Das Bild des Ozeans gibt es nicht nur bezogen auf mich als einzelnes Individuum, sondern auch mit mir als einen Teil der Schöpfung.
So empfinden wir uns oft als eine einzelne Welle unter vielen Wellen. Wenn wir vor uns schauen und die anderen Wellen kleiner sind fühlen wir uns gut und toll. Wenn wir uns dann umschauen und hinter uns vielleicht noch größere Wellen entdecken, fühlen wir uns nicht mehr so gut und toll. Vielleicht kriegen wir sogar auch beigebracht, dass die Wellen unseres Ozeans besser sind, als die Wellen des Nachbarozeans. Jedenfalls arrangieren wir uns irgendwie mit unserem Sein als mehr oder weniger tolle Welle und fühlen uns mal besser und mal schlechter. Dann sehen wir irgendwann wie die ersten Wellen auf dem Strand aufschlagen und sterben, sie scheinbar für immer verschwinden. Das bringt meist ein Unbehaben und Ängste mit sich, denn wir wissen, dass uns das auch passieren wird. Was wir aber in unserer Identifikation als Welle vergessen ist, dass wir alle Teile eines Ozeans sind. Das es in der Essenz keinen Unterschied zwischen meiner Welle und den anderen Wellen gibt, auch nicht zwischen den Wellen unseres Ozeans und den Wellen der anderen Ozeane. Es gibt daher auch keine wirkliche Trennung, gab sie nie und wird sie auch nie geben. So verschwinde ich auch nicht, wenn meine Welle stirbt, sondern ich kehre einfach in den Ozean heim. Denn wir sind alle Teile eines Ganzen, eines wundervollen, großartigen Ganzem von unbeschreiblicher Vollkommenheit. Wenn wir diese Verbindung und Einheit, dieses Einssein verstehen, erfahren und leben, können wir die Schöpfung und damit auch uns in einem ganz neuen Licht erfahren, wir erfahren die Schönheit und Vollkommenheit des Seins.
Der Künstler
Verbinde Dich durch bewusstes Atmen und Spüren mit dem Moment, der jetzigen Aufgabe. Handle dann aus dem Fluss dieser Verbindung heraus. Gedanken, Geräusche, die Wahrnehmungen in Dir und um Dich herum sind wie ein Auditorium. Nimm es wahr; aber bleibe bei Dir und Deiner Performance. Wenn nötig, lasse diese Eindrücke in deine Handlungen einfließen, aber bleibe dabei im Fluss und versuche nicht der einen oder anderen Person (Wahrnehmung) im Auditorium zu gefallen. Bleibe bei Deiner Kunst die Du gerade durch Dein Sein erschaffst, bleibe im Fluss der Verbindung mit Dir selbst. Erfahre so aus dieser Verbindung was und wie es zu tun ist, ganz eins mit dem Moment, deinem Tun, dem Sein und Dir selbst.
Der Seiltänzer
Ich möchte Euch noch ein Bild, welches ich zum Thema Konzentration gehört habe, erweitern und mitgeben. So versuche in der Meditation wie auch im Praktizieren selbst ganz fokussiert zu sein. Wie ein Seiltänzer jeden Schritt bewusst setzt, so achte auf jeden Atemzug, jede Handlung. Versuche keinen Atemzug, keine Bewegung zu verpassen. Bleibe ganz konzentriert ohne dabei zu verkrampfen oder dich einzuengen. Versuche so vollkommen präsent zu sein. In jedem Moment. Die Gedanken und Bilder im Kopf, genauso wie die Geräusche und Geschehnisse um Dich herum sind wieder wie Dein Auditorium. Bemerke sie, aber gehe nicht auf sie ein. Denn sobald Du Dich nach ihnen umdrehst wirst Du vom Seil fallen. Bleibe ganz bei Dir, Deinem Atem, Deinem Handeln und dadurch vollkommen im jetzt, im reinen Sein.